SPIEL 2018

Und schon ist sie wieder vorbei: die Spielemesse in Essen, auch dieses Jahr mit einem neuen Ausstellerrekord. Einmal mehr zockten Tausende von Besuchern in vier Tagen, was das Zeug hält. Nicht mehr dabei: die GFR e.V. Denn der Rollenspielbereich der SPIEL ist über die Jahre immer kleiner geworden und inzwischen faktisch nicht mehr vorhanden. Klar, es gibt noch Larpzubehör und Metstände, aber die einstige Rollenspielhalle (gute alte Nr. 6!) ist leider Geschichte. Daher hat sich auch unser Schwerpunkt verlagert: auf die RPC. Dort findet Ihr uns schon seit einigen Jahren größer, besser und verrückter (?) als je zuvor.

Aber auch auf der SPIEL waren wir natürlich unterwegs: als Spieler. Was diese Redakteurin so probegespielt hat, erfahrt Ihr hier!

Belratti

Verlag: Mogel
Spieler: 3-7
Alter: 9+
Spieldauer: 20-45 min

Die spielebegeisterte Familie Loth bringt seit einigen Jahren im Eigenverlag hübsche (Karten-)Spiele auf den Markt. Ihr neuestes Werk hat sogar den Hippodice Autorenwettbewerb 2018 gewonnen! In „Belratti“ geht es um Gemälde: Maler verkaufen ihre neuesten Werke an Kunsthändler. Dabei spielt man gemeinsam, um die miesen Fälschungen des namensgebenden Belratti zu enttarnen. Ein kooperatives Assoziationsspiel, das ein wenig an „Dixit“ erinnert.

Fazit: Schnell und unterhaltsam, leicht zu lernen. Nicht nur für Kunstbanausen!

Black Stories. Das mörderische Drehbuch.

Verlag: Moses
Spieler: ab 2
Alter: 12+
Spieldauer: Individuell

Ein weiterer Ableger der beliebten Black Stories: Diesmal rät man nicht nach Text, sondern nach Bild. Dabei spielt sich die Handlung in sechs Bilderkarten (in klassischer Black-Stories-Aufmachung) vor den Ratenden ab. Sie müssen die Karte genau beschreiben, um weiterzukommen und die nächste zu erhalten. Allerdings ist diese Lösung meist zu offensichtlich. Vielleicht waren auch die von uns ausprobierten Geschichten zu leicht (mindestens eine aus den klassischen Black Stories entlehnt). Eine Herausforderung war dies jedenfalls nicht.

Fazit: Für ausgefuchste Black-Stories-Rater bei weitem zu einfach. Lieber bei der klassischen Version bleiben.

Adventure Island

Verlag: Pegasus
Spieler: 2-5
Alter: 10+
Spieldauer: 45-90 min

Eins der gehyptesten Spiele auf der Messe war „Adventure Island“. Die wenigen fertig produzierten Exemplare waren am ersten Messetag nach zwei Stunden vergriffen. Lohnt es sich? Auf jeden Fall fanden wir das Konzept ansprechend. Die Handlung ist in Kapitel aufgeteilt. Als Schiffbrüchige stranden die Spieler auf einer einsamen Insel und müssen sich zunächst Nahrung und einen Unterschlupf verschaffen. Ist ihnen das gelungen, entwickelt sich die Handlung weiter und wird komplexer. Das Ganze ist eine Mischung aus Survival, Abenteuer und Koop-Spiel und hat in jedem Fall Potential.

Fazit: Vielversprechend. Macht Lust auf mehr.

Princess Jing

Verlag: Matagot
Spieler: 2
Alter: 8+
Spieldauer: 25 min

Ein Zwei-Personen-Spiel im alten China: Die Prinzessin versucht, dem Palast zu entkommen und ihren Geliebten zu treffen. Der raffinierte Spielaufbau besteht aus Elementen, die an Paravents erinnern, hinter denen sich die Figuren verstecken. Mithilfe schlauer Spielzüge und eines Spiegels versucht der Gegner herauszufinden, hinter welchem Paravent die gegnerische Prinzessin gerade steckt. Hat er es geschafft, ist er der Gewinner. Eine komplizierte Variante bindet außerdem mythische Tiere ein, was gut ist, denn ansonsten ist der Spielspaß schnell erschöpft.

Fazit: Was fürs Auge. Blieb ansonsten hinter den Erwartungen zurück.

Cortex 3

Verlag: Captain Macaque
Spieler: 2-6
Alter: 8+
Spieldauer: 15 min

Hier geht’s ums Gehiiiiiiirn. Nein, das ist kein Zombiespiel, die Spieler müssen bei „Cortex 3“ im Wettlauf gegeneinander Denksportaufgaben lösen, um sich kleine Gehirnstücke zu sichern. Der erste, der genug Hirn beweist, um sein Hirn zu komplettieren, hat gewonnen. Die Aufgaben reichen von Kopfrechnen bis Mustererkennen. Neu dabei ist auch eine Riechaufgabe, bei der man über Karten reiben muss, um die Gerüche freizusetzen. Leider rochen die bei uns leider fast alle gleich, vielleicht von falscher (Messe-)Lagerung?

Fazit: Ein hübscher Spaß für die grauen Zellen.

Echidna Shuffle

Verlag: Wattsalpoag
Spieler: 2-6
Alter: 6+
Spieldauer: 10-20min

Dieses Spiel eines amerikanischen Kleinverlags lockte uns zuerst mit seiner Optik an. Gott, wie niedlich diese kleinen Igel gestaltet sind! Aber nein, das sind gar keine normalen Igel, sondern australische Ameisenigel (Echidna). Die müssen auf ihrem Rücken Insekten zum richtigen Baumstamm transportieren. Was auf den ersten Blick wie ein Spiel für kleine Kinder wirkt, erwies sich als überraschend knifflig, denn die Ameisenigel können sich nur in bestimmte Richtungen bewegen und behindern sich (und damit den Gegner) gegenseitig. Das Spielbrett verfügt über zwei Seiten, eine leichtere und eine schwerere. Auch über die Zahl der eingesetzten Echidnas lässt sich die Schwierigkeit steuern, so dass das Spiel quasi an jede Altersklasse anpassbar ist.

Fazit: Wunderhübsche kleine Entdeckung! Niedlich, knifflig und für die ganze Familie geeignet.

Sagrada

Verlag: Pegasus
Spieler: 1-4
Alter: 8+
Spieldauer: 30-45 min

Dieses Spiel lehnt sich in seiner Grundidee an das diesjährige Spiel des Jahres aus dem gleichen Verlagshaus, „Azul“, an. Statt Fliesen setzt man hier Glasfenster zusammen. Farbige Würfel müssen korrekt in das jeweils eigene Muster eingebracht werden, ohne sich zu doppeln. Bonusaufgaben verkomplizieren das gewünschte Design. Kein sehr kompetitives Spiel, denn man hat wenig Möglichkeiten, dem Gegner Stöcke zwischen die Füße zu werfen. Trotzdem hübsch.

Fazit: Ein Knobelspiel in ansprechender Optik.

Meeple Circus

Verlag: Pegasus
Spieler: 2-5
Alter: 8+
Spieldauer: 30-60 min

Manege frei! Der Zirkus ist in der Stadt. Und er besteht aus Meeples, diesen lustigen Carcassonne-esken Figuren, die man eigentlich nicht mit Akrobatik in Verbindung bringt. In diesem Spiel jedoch muss man einiges an Fingerfertigkeit beweisen, um die kleinen Holzfigürchen zu zirkusreifen Darbietungen zu bringen. Denn bei „Meeple Circus“ müssen die Spieler hölzerne Tiere und Artisten aufeinanderstapeln, um das Publikum zu begeistern. Gegen die Uhr! Natürlich bricht kurz vor Ablauf der Zeit alles noch mal zusammen … Und in der letzten Runde wird es noch schwieriger, wenn man während des Aufbaus der Galavorstellung Zusatzaufgaben wie Klatschen, Singen oder Schauspielern meistern muss.

Fazit: Selten wurde in einem Zirkus so viel gelacht. Ein köstliches Spiel!

Yukon

Verlag: Delta Vision
Spieler: 2-4
Alter: 8+
Spieldauer: 30 min

Abwechselnd bewegen die Spieler die Spielfigur horizontal und vertikal, um sich möglichst viele gute (Gold-)Karten und möglichst wenig schlechte (Kieselstein-)Karten zu sichern. Das Grundkonzept fühlt sich nicht wirklich nach „Yukon“ an. Um das Ganze schwieriger zu machen, können Personenkarten daruntergemischt werden, mit denen Karten getauscht oder Werte verändert werden können. Trotzdem bleibt das Goldgräbergefühl auf der Strecke.

Fazit: Hält nicht, was die Aufmachung verspricht.

Rumble in the House

Verlag: Flatlined Games
Spieler: 3-6
Alter: 8+
Spieldauer: 20 min

In einer Wohnung treffen eine Menge Monster aufeinander. Das kann nicht gut gehen! „Rumble in the House“ ist ein kurzweiliges Rausschmeißspiel, bei dem die Finesse darin liegt, die eigenen Monster so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Dauert kaum die angegebenen 20 Minuten, ist dafür aber ganz witzig und sehr leicht verständlich. Gibt es alternativ auch als „Rumble in the Dungeon“ mit gleichem Konzept, aber anderer (rollenspielerfreundlicher) Aufmachung.

Fazit: Ein leichter Spielesnack für zwischendurch.

A Tale of Pirates

Verlag: Cranio Creations
Spieler: 2-4
Alter: 10+
Spieldauer: 10 min

Arrr! Das ist ein Spiel für den Piraten, denn hier steht ein ganzes Schiff auf dem Tisch. Es bildet auch ein sehr dynamisches Spielfeld, denn es wird während des Spiels gedreht, mit Kanonenkugeln bestückt und von den Spielfiguren bemannt. Diese Spielfiguren sind nicht umsonst Sanduhren, denn hier spielt man mörderisch gegen die Uhr. Während der Countdown in der dazugehörigen App abläuft, müssen die Spieler so schnell wie möglich versuchen, die ihnen gestellten Aufgaben zu erfüllen. Sobald die eigene Sanduhr abgelaufen ist, handelt man und zieht dann eilig weiter, um an anderer Stelle zu agieren. Schnelle Absprachen sind hier unbedingt notwendig, wenn man nicht von gegnerischen Korvetten versenkt werden oder auf Felsen auflaufen will. Da tritt einem schnell der Schweiß auf die Stirn! Auch dieses Spiel ist in Kapitel unterteilt, die die Piraten vor steigende Herausforderungen stellen.

Fazit: Als wäre das Piratenleben nicht schon anstrengend genug! Hier nimmt die Piratenspielidee mal ganz neue Formen an. Empfehlenswert!

Messefazit:

Der Trend geht weiter in Richtung Digitalisierung des Brettspiels. Kaum noch ein Spiel, das ohne eine App auskommt. Entweder als nette Begleitung mit Zusatzfeatures oder, und das ist wirklich im Kommen, als elementarer Spielebestandteil, ohne den es nicht mehr geht. Auch die Brettspielhersteller haben gemerkt, dass ihre Kundschaft inzwischen geschlossen über Smartphones und Tablets verfügt. In den meisten Fällen wirkt dies durchaus spielebereichernd. Wohin uns das in Zukunft führen wird, bleibt abzuwarten. Hoffen wir auf eine gesunde Partnerschaft zwischen Brettspiel und App!

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